Firehawk 1500 FRFR Full Frequency Flat Response Guitar Amp German

Was genau ist ‘FRFR’?

Die Welt wird immer schnelllebiger und da verwundert es nicht, dass auch die Menschen alles immer mehr beschleunigen möchten. Vom “Touch to Pay”-Kreditkartensystem bis zum Trockenshampoo – das Leben wird immer rasanter. Viele Menschen haben mittlerweile so wenig Zeit, dass sie nicht einmal mehr ganze Sätze schreiben mögen: Es wird brutal abgekürzt, was sich abkürzen lässt.

Und das führt zu einer wahren Kürzelschwemme. Heutzutage braucht man nur noch “DAW” zu sagen statt einen computerbasierten Arbeitsplatz für Musikproduktionen zu erwähnen. “OMG” versteht jedes Kind (bis zu einem gewissen Alter). Ich selbst kürze bisweilen weitaus kraftvollere Ausdrücke radikal ab und werde irgendwie verstanden. Das Problem dabei ist nur, dass auch Gitarristen immer mehr in Kurzform miteinander reden – und jene Begriffe haben sich noch nicht vollends eingebürgert.

Ein gutes Beispiel dafür ist der Begriff “FRFR”. Wer sich regelmäßig in Gitarrenforen schlaumacht, kennt dieses Kürzel eventuell bereits. Trotzdem will ich der Vollständigkeit erwähnen, dass “FRFR” für “full range, flat response” steht. Na, dämmert’s? Vielleicht nicht… Um zu begreifen, wie ein klangneutrales System funktioniert und welche Vorteile es bietet, muss man zunächst kapieren, wie herkömmliche Gitarrenboxen und -lautsprecher arbeiten.

Elektrische Gitarren und die zugehörigen Verstärker können eine Menge akustisches Unheil anrichten, schließlich prallen hier Metallsaiten auf kilometerlange Kabel, Magneten, Glasröhren und Verstärkungsstufen. Herkömmliche Gitarrenlautsprecher dämpfen das Gros der erzeugten Obertöne ab, ehe das Signal auf unsere Ohren trifft. Die Frequenzen oberhalb von 5kHz werden absichtlich abgeschwächt, damit Wohlklang entsteht, selbst wenn dieser eigentlich bitterböse gemeint ist.

Was wäre denn die Alternative? Das habe ich als 16-Jähriger am eigenen Leib erfahren müssen: Ich hatte einen Röhrenverstärker an eine passive Beschallungsbox angeschlossen – und weiß noch genau, wie ich in Bad gerannt bin, um mich davon zu überzeugen, dass die Plomben in meinen Zähnen noch festsaßen. Ich schwöre Euch: das war heftig! Alle quäkenden Frequenzen, die ein Gitarrenlautsprecher dezent unterdrückt, wurden plötzlich hörbar und mir wurde Angst und Bange.

Der Grund hierfür ist dem Umstand zu verdanken, dass die Boxen der heimischen Stereo- wie auch einer Beschallungsanlage Fullrange-Audiosignale ausgeben. Daheim spielen wir vor allem CDs und MP3-Dateien ab. Eine Beschallungsbox muss jedoch eine weitaus größere Dynamikspanne aushalten und auch akkurat ‘rüberbringen. Denken Sie nur an eine Funk-Band mit Blechbläsern bei Konzertpegel (also irrsinnig laut): Die Boxen müssen das Schlagzeug, den Bass, die Blechbläser, die Gitarren, die Keyboards und den Gesang gleichermaßen gut abbilden.

So etwas klingt nur akzeptabel, wenn man Fullrange-Boxen mit Hochtönern (alias “Tweeter”) benutzt, die sich auf jene hohen Frequenzen spezialisieren, die ein Gitarrenlautsprecher gar nicht erst überträgt.

Und da genau liegt der Hund begraben: Ein E-Gitarrenverstärker muss von dem nachgeschalteten Lautsprecher dumpfer gemacht werden, um akzeptabel zu klingen. Im Falle einer E/A-Gitarre ist der Hochtöner der Beschallungsanlage dagegen hochwillkommen. Hiermit wäre schon einmal geklärt, warum man eine E/A-Gitarre am besten NIE an einen E-Gitarrenverstärker anschließt und warum eine E-Gitarre bei Verwendung eines A-Gitarrenverstärkers MIES klingt. Beide Paarungen tun dem Eingangssignal beim besten Willen keinen Gefallen.

Jetzt, wo klar ist, worin sich ein E-Gitarrenverstärker von einer Beschallungsanlage unterscheidet und was “FRFR” genau bedeutet, können wir schauen, wie man sich dieses Wissen zunutze macht. Ein FRFR-System hat einen neutralen (ungefärbten) Übertragungsbereich. Im Prinzip klingen alle angelegten Signale bei jedem Pegel gleich. Ein FRFR-System ist im Grunde das gleiche wie eine Beschallungsanlage und beginn bei einem herzhaften Pegel in der Regel nicht zu zerren. Außerdem kann ein weitaus größerer Frequenzbereich übertragen werden als mit einem Gitarrenverstärker (mehr Höhen und mehr Bass).

Besitzen Sie bereits ein FRFR-Lautsprechersystem und fragen Sie sich, wie man es “vernünftig” mit einer E-Gitarre nutzen kann? Kein Problem! Verbinden Sie Ihre E-Gitarre mit einem Prozessor, der Boxenmodelle anbietet (ich persönlich habe mich für einen Helix entschieden, aber es gibt noch andere Lösungen). Das Boxenmodell simuliert genau die Frequenzdämpfungen des “nachgebauten” Gitarrenlautsprechers – und das so bearbeitete Signal kann zum allgemeinen Wohlbefinden mit einem FRFR-System verstärkt werden. Das Prinzip entspricht im Grunde der Mikrofonierung eines Verstärkers: Das vom Mikrofon abgegriffene Signal wird ja auch zur Beschallungsanlage übertragen. Neu ist hier “nur”, dass der betreffende Verstärker nicht länger auf seinen “Sweet Spot”-Pegel gestellt zu werden braucht und entsprechend dominant wirken würde.

Mein Ansatz bietet zahlreiche Vorteile: Das Rig taugt für alle Veranstaltungsorte, ob groß oder klein (und klingt bei jedem Pegel gleich); ein und dieselbe Box eignet sich perfekt für E- und A-Gitarre; der Pegel auf der Bühne kann drastisch reduziert werden (man braucht das Gesangsmikrofon nicht mehr so intensiv im Auge zu behalten); alle Pegel- und Soundvarianten können bequem gespeichert werden (Soundchecks gehen schneller und das Publikum hört exakt “Ihren” Sound); und schließlich benötigt man für die verschiedenen Sounds weitaus weniger Material als bisher.

Genau aus diesem Grund entscheiden sich immer mehr Musiker für ein FRFR-Szenario, wenn sie auf Tour gehen: Hiermit bekommen unzählige Störenfriede keine Chance mehr, weil sie gar nicht mehr am Start sind.

Da freut man sich natürlich, dass die Auswahl an FRFR-Lösungen mittlerweile relativ groß ist. Line 6 war übrigens einer der FRFR-Pioniere (wir sagen übrigens nur noch “Fullrange”, damit man schneller kapiert, was Sache ist). Nach den Stagesource L2- und L3-Boxen haben wir unlängst einen FRFR-Verstärker namens Firehawk 1500 vorgestellt. Mit einer Leistung von 1500W, dem auf 6 Lautsprechern basierenden Fullrange-System, allen angesagten Ein- und Ausgängen sowie dem integrierten Firehawk-Gitarrenprozessor kann man nicht viel falsch machen. Weiter führende Infos finden Sie unter de.line6.com/firehawk1500. Willkommen in der Fullrange-Welt!

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